Geschichte und Wappen

Im Jahr 1274 wird Mühlau erstmals in der Geschichte als «Mulnowe» erwähnt. Von 1394 bis 1803 gehörten die Weiler Schoren und Kestenberg dem Amt Merenschwand an und unterstanden somit der Herrschaft der Ritter von Hünenberg. Diese benutzten damals auch die erste Fähre über die Reuss im «Alt Fahr». Ab 1415 bis Ende des 18. Jahrhunderts regierten Landvögte im Namen der Eidgenossen das aargauische Untertanenland. Weitere grössere Ereignisse, die das Freiamt betrafen, waren hier nur angedeutet, so die Reformation im Aargau, den Bauernkrieg 1653, die beiden Villmerger Kriege 1656 und 1712.

Im März 1803 wurden die Gemeinden des Amtes Merenschwand von der neuen Zugehörigkeit zum Kanton Aargau und somit auch zum Bezirk Muri orientiert. Im gleichen Monat hatte die aargauische Regierungskommission die Bezirks- und Kreiseinteilungen vorgenommen. Muri war als VIII. Bezirk in die Kreise Muri, Sins, Merenschwand und Boswil eingeteilt worden. Der Kreis Merenschwand umfasste die Gemeinden Merenschwand, Beinwil, Benzenschwil und Mühlau. Die Mediationszeit in Mühlau war, wie übrigens in allen aargauischen Gemeinden, durch Rekrutenstellungen, Requisitionen und dem Eintreiben von Kriegssteuern geprägt. Als 1812 die französische Macht zusammenbrach, lösten sich die Schweizer von Napoleon und erklärten die Neutralität. Dies bedeutete auch das Ende der Mediationsverfassung. Die neue Verfassung des Kantons Aargau verminderte die Volksrechte jedoch nicht so stark wie in anderen Kantonen. Doch der Grosse Rat hatte wenig Gehör für das Volk und so kam es 1830 zum Freiämtersturm unter der Führung des «Schwanen»-Wirtes Heinrich Fischer von Merenschwand. Sie erzwangen die neue Verfassung, die den Vorstellungen des Volkes entsprach.

Errichtung der Ortsbürgerschaft Schoren-Kestenberg

Der Ortsteil Schoren, nach 1878 politisch zu Mühlau geschlagen, gehörte jahrhundertelang zum Amt Merenschwand und damit zur einzigen damals bestehenden Ortsbürgerschaft. Erst 1812 wurde Schoren zu einer eigenen Ortsbürgerschaft erhoben, die bis 1914 bestand, als sie mit der von Mühlau zusammengelegt wurde. Die Erhebung des Weilers zu einer eigenen Ortsbürgerschaft hing mit dem Begehren der Benzenschwiler zusammen, die aus dem Verband mit dem Amt Merenschwand austreten und eine eigene Gemeinde bilden wollten.

Die Südbahn

Als die Schweiz in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts von einem eigentlichen Eisenbahnfieber ergriffen wurde, bildeten sich auch im Aargau regionale und lokale Komitees. Der Bezirk Muri, mit der Gemeinde Muri an der Spitze, war in eisenbahnpolitischer Beziehung sehr aktiv und bestrebt, so rasch als möglich eine Eisenbahnlinie durch das Freiamt mit Anschluss an die noch zu bauende Gotthardlinie zu verwirklichen. Im November 1869, nach Abschluss des Gotthardstaatsvertrages zwischen Deutschland, Italien und der Schweiz, reichten die Lokalkomitees von Aarau, Muri, Boswil und Bünzen beim Regierungsrat ein Konzessionsgesuch für den Bau der Linie Aarau-Hunzenschwil-Lenzbug-Wohlen-Muri-Sins bis zur Kantonsgrenze (Cham) und Hendschiken-Brugg ein. Die Eröffnung der Strecke Muri-Rotkreuz musste wegen der starken Regenfälle immer wieder hinausgeschoben werden. Doch am 1. Dezember 1881 konnte diese endlich stattfinden. Am 1. Januar 1902 ging die Südbahn an den Bund über. 1927 wurde die Strecke Rupperswil-Rotkreuz elektrifiziert. Mit der Errichtung der Doppelspur (Mühlau-Sins, eröffnet am 20.11.1967; Mühlau-Benzenschwil am 3.11.1968) stellten die SBB den Güterverkehr auf der Station Mühlau ein.

Der Reussübergang in Mühlau

Vom ehemaligen luzernischen Amt Merenschwand führten einst zwei Fähren über die Reuss, die eine auf Zürchergebiet, die andere in den Kanton Zug. Die eine war eine Gross- und Wagenfähre beim Weiler Schoren im sogenannten «Altfahr» und führte über Zuger Gebiet nach Maschwanden. Die zum Teil erhaltene Strasse von der Lorzenbrücke in Maschwanden in westlicher Richtung führte zur genannten Fähre. Die erste Erwähnung dieser Fähre ist der 5. Februar 1481. 1637 errichteten die Mühlauer eine Fähre, die sie mit dem Frauental und weiter mit Zug verband. Der Fährbetrieb wurde vom Amt Merenschwand, ab 1810 vom Gemeinderat Mühlau verpachtet. Immer wieder gab es Diskussionen und Verhandlungen, besonders über den Fährbetrieb und den Pachtzins. 1828 legte der Gemeinderat Mühlau den Tarif für das Übersetzen mit der Fähre wie folgt fest:

  Bürger Amtsleute Fremde
1 Person 1 Rp. 2 Rp. 5 Rp.
1 Stück Vieh 10 Rp. 10 Rp. 20 Rp.
1 Wagen mit eingespanntem Vieh 30 Rp. 30 Rp. 30 Rp.

Wenn man bedenkt, das 1844 der damalige Pächter einen Zins von 65 Franken zu bezahlen hatte, müssen viele Leute die Fähre benützt haben. Die Konkurrenz durch die neu erstellten Brücken in Ottenbach und Rickenbach im Jahre 1864 wirkten sich auf die Benützung der Fähren in Mühlau aus. Bei den Brücken musste man keine Gebühr bezahlen und das Umladen der Waren fiel auch weg. Immer wieder waren die Schiffe defekt und die Bürgergemeinde Mühlau wollte den Fährbetrieb aufheben, doch die Regierung bestand auf deren Weiterführung.

Man wollte eine Reussbrücke in Mühlau, und die ersten Bestrebungen gehen auf das Jahr 1908 zurück. Der 1906 gegründete Verkehrsverein Mühlau-Hünenberg-Maschwanden und Umgebung sowie verschiedene Grossräte unternahmen Vorstösse bei der Regierung, doch ohne Erfolg. Erst 1936 wurde von der Firma Wartmann in Brugg ein Projekt entworfen, das Unterstützung der Regierungen von Zug, Zürich und Aarau erhielt. Der grosse Rat erliess am 20. Februar 1939 ein «Dekret betreffend die Erstellung einer Reussbrücke in Mühlau». Die auf 60 000 Franken geschätzten Kosten sollten von den aargauischen und zugerischen Interessenten je hälftig übernommen werden. Die Brücke wurde von Wartmann & Co., Brugg, gebaut und fand am 4. August 1940 ihre feierliche Einweihung. Vereine von Maschwanden, Stadelmatt, Hünenberg und Mühlau bereicherten durch ihre Beiträge das grosse Fest.

Der Brand anno 1836

Am 14. August 1836 abends um zehn Uhr wurde der Brand bei einem heftigen Gewitter vom Blitz verursacht, welcher in das nördlich vom heutigen Pfarrhaus stehende Wohnhaus mit Scheune einschlug. Das Feuer breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Hydranten waren damals noch keine vorhanden, und die Feuerspritze war wenig leistungsfähig, da das Wasser mit ledernen «Feuereimern» in die Spritze geschöpft werden musste. Innert kurzer Zeit wurden zwei Wohnhäuser und vier Scheunen in Schutt und Asche gelegt. Unter den verbrannten Objekten befand sich auch die Zehntenscheune, die im heutigen Pfarrgarten stand. Fünf Haushaltungen wurden durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen. 29 Personen wurden damals obdachlos. Auf die Bittbriefe wurden aus allen umliegenden Gemeinden für die Brandgeschädigten Gaben gespendet. Von Bürgergemeinden und Gerechtigkeiten wurden Bauholz zugesprochen.

Das Wappen von Mühlau

Der Ortsname Mühlau wird auf den althochdeutschen Wortstamm «mulin-ouwa» zurückgeführt, was so viel wie «wassernahes Land bei der Mühle» bedeutet. In der Tat ist im ursprünglich zum Amt Merenschwand gehörenden Ort bereits im Jahr 1319 der Verkauf einer Mühle urkundlich belegt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass das 1872 von der Gemeinde geführte Siegel ein halbes Mühlrad, überhöhrt von einer Inschrift und einem Stern, zeigt. 1915 wurde das halbe Mühlrad schwarz in gelb geändert. Gleichzeitig wurde der Stern im Schulhaupt durch einen grünen Dreiberg im Schildfuss ersetzt. Seither wird dieses Wappen in dieser Form von der Gemeinde geführt.